Der Gleichklang-Polit-Blog

September 16, 2011

Libyen: Die Welt schweigt zu ethnischen Säuberungen


Schwarze sind der Gewalt der libyschen Rebellen hilflos ausgeliefert

Schwarze sind der Gewalt der libyschen Rebellen hilflos ausgeliefert

Soeben hat Amnesty International einen neuen Bericht zur Lage der Menschenrechte in Libyen vorgelegt (siehe hier). Menschenrechtsverletzungen des Gaddafi Regimes sind bestens bekannt. Sie werden täglich in den Medien berichtet. Um auf sie hinzuweisen, bedarf es hier keines gesonderten Artikels, wobei ihr Vorliegen und die Verurteilung, der sie bedürfen, außer Frage stehen. Anders steht es jedoch um die Menschenrechtsverletzungen der Rebellen. Diese werden in unseren Medien nur gelegentlich erwähnt und sie drohen unterzugehen in Begriffen, wie “Befreiung”, Freiheitskämpfer” oder “jubelnde Menschen”.

Im Bericht von AI lesen wir bezüglich der Rebellen von systematischen Folterungen, Tötungen, auch öffentlichen Exekutionen und Vertreibungen von schwarzen Menschen, sowie von jedem, der real oder nur verdachtsmäßig auf Seiten der Gaddafi Loyalisten stand oder steht. Ein Fall bezieht sich auf Soldaten des Regimes, die gefesselt und erschossen vorgefunden wurden. Es hießt – auch in unseren Medien – Gaddafis Soldaten hätten sie erschossen, weil sie den Schießbefehl verweigerten. AI aber hat die Bilder ihrer vorherigen Gefangenennahme durch die Rebellen gesehen. Wie viele weitere solche Fälle mag es gegeben haben?

Entsetzliches wird von AI beschrieben, auch Lebendverbrennungen von Schwarzen. Nach Exekutionen wurden Leichen demnach öffentlich gezeigt und die Rebellenfahne gehisst. AI sagt, dass der Übergangsrat keine Schritte unternommen habe, um die Verbrechen zu stoppen, obwohl AI ihn dazu ausdrücklich aufgefordert habe. Nur auf seiner englischsprachigen Internetseite – offenbar für den Westen bestimmt – habe der Übergangsrat sich öffentlich von Menschenrechtsverletzungen distanziert.

Im neuen Libyen sind Schwarze Freiwild

Im neuen Libyen sind Schwarze Freiwild

Beim Lesen des AI-Berichtes entsteht der Eindruck eines Menschenrechts-Infernos in Libyen mit Verantwortlichen auf allen Seiten. In unseren Medien lesen wir aber von Befreiung und Aufbruch, die FAZ schreibt gar “Die Burg der Angst ist gefallen” (siehe hier). Dem steht Video-Material ,  wie das folgende gegenüber, anhand dessen wir die menschenverachtende Misshandlung schwarzer Menschen durch libysche Rebellen ersehen können: VIDEO

Bestätigt wird die systematische ethnisch motivierte Verfolgung schwarzer Menschen durch Kräfte des Post-Gaddafi Libyen im übrigen auch aus gänzlich unverdächtiger Quelle: Der arabische Sender AlJazeera (siehe hier), eindeutig pro-Rebellen eingestellt, berichtet u.a:

“As fighting slows down in parts of the country, black Libyans and African labourers face chronic accusations of being Gaddafi’s hired mercenaries. NTC fighters have reportedly been rounding up and detaining accused mercenaries even if they are found unarmed. By some estimates, more than 5,000 black migrants have been detained in makeshift jails around the country, and others have faced beatings, revenge killings, and even mass execution. Mercenary fighters found armed have been summarily executed, according to reports. Most detainees maintain that they were not involved in fighting and are simply migrant workers detained without evidence. Black women in refugee camps reported night-time kidnappings and rapes by fighters though to be associated with the NTC. Officials with the National Transitional Council deny such reports”.

Schwarzer mit verbundenen Händen exekutiert

Mit verbundenen Händen exekutiert

Es ist eine gefährliche Zeit für dunkelhäutiger Menschen in Libyen, berichtet nicht von ungefähr Human Rights Watch (siehe hier).

Nun jedoch stellt ein Augenzeugenbericht im The Wallstreet Journal vieles in den Schatten , was wir zuvor hörten (siehe hier)

Beschrieben wird Tawergha, eine Stadt 20 km entfernt von Misrata, von Menschen entleert, nur noch von Rebellen kontroliert. Die ursprünglich schwarzen Bewohner dieser Stadt, schwarze Libyer und schwarze Gastarbeiter, sind ausnahmslos geflohen, wenn sie nicht verhaftet oder verschleppt wurden. Ihre Häuser sind mit Worten, wie “Sklave” oder “Neger”, beschriftet und niedergebrannt. “Tawergha is no more” – so das zitierte Resüme der Rebellen. Aus anderer Quelle (Human Rights Investigation) wird berichtet, dass bereits vor der Einnahme der Stadt die Vertreibung aller Einwohner und die Auslöschung der Stadt erklärtes Ziel der Rebellen war (siehe hier).

Eine ganze Stadt wurde vernichtet. Die Welt ist Zeuge einer ethnischen Säuberung, die offenbar alles auslöschen will, was an die vorherige Existenz schwarzer Menschen in Libyen erinnern könnte. Zweifellos ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Doch die Welt schweigt.

Auch aktuell in Anbetracht der Kämpfe um die letzten Bastianen der Gaddafi-Loyalisten stirbt offenbar die Wahrheit zuerst. Denn während unsere Medien nun beginnen, ausschließlich die Gaddafi Loyalisten für die katastrophale Situation der Zivilbevölkerung verantwortlich zu machen , wurde diese deutlich zuvor laut Associate Press (siehe hier) durch die Rebellen geradezu angekündigt:

“We want to save our fighters and not lose a single one in battles with Gadhafi’s forces,” said Mohammed al-Rajali, a spokesman for the rebel leadership in the eastern city of Benghazi. “In the end, we will get Sirte, even if we have to cut water and electricity” and let NATO pound it with airstrikes.” Ist dies eine Stimme der Humanität, der die Bewohner von Sirte und das Leben von Zivilisten am Herzen liegen?

Schwarze hilflos den Rebellen ausgeliefert

Schwarze in Rebellenhand

P.S.: Man mag argumentieren, dass die Welt nicht schweigt, wo doch die Quellen hier zitiert werden können. Aber diese Sicht geht fehl. Zwar findet man, wenn man sucht, aber wer nicht sucht, der wird nicht finden. In Anbetracht des Ausmaßes der Verbrechen ist die Berichterstattung unsere Medien gänzlich unangemessen. So haben im deutschsprachigen Raum bisher weder Spiegel oder Zeit noch Stern oder FAZ  über die Zerstörung Tawarghas berichtet. Auch scheint die Vergewaltigung schwarzer Frauen nicht berichtenswert zu sein, weil hier die Täter nicht Gaddafi Loyalisten, sondern Rebellen waren. Etwas grundlegendes geht fehl, wenn unsere freien Medien aus freier Entscheidung im Krieg zum Instrument der Propaganda werden.

7 Kommentare »

  1. Das ist leider so in Kriegssituationen … das war in Ex-Jugoslawien auch nicht anders … diejenigen, die den Westen auf ihrer Seite wissen, vollbringen dann ähnlich grausige Verbrechen, wie die Despoten, zu deren Beseitigung man angeblich angetreten war… wer weiter zurück gehen will, findet das gleiche in grün auch schon bei der französichen Revoluton … da spätestens seit diesem Ereignis alle bedeutenderen Kriege aus Freimaurerkreisen inszeniert worden sind, um eigene Interessen zu verfolgen, werden seitdem auch immer die Menschen über die wahren Hintergründe der Kriege im Unklaren gelassen bzw, bewusst im Hinblick auf die wahren Motive getäuscht …auf der Strecke bleiben dann immer die Feinde der jeweils von den USA/GB usw. unterstützten Gruppen, die unter dem Deckmantel “die Guten” zu sein, neue Gräuel verüben ….so lange die Menschheit sich so plump täuschen lässt, wie das in den Mainstream-Medien auch jetzt wieder der Fall ist, wird sich das auch nicht ändern …

    Kommentar von Alexander Gottwald — September 19, 2011 @ 6:26 vormittags

  2. Folter unter Gadaffi ist bekanntlich böse Folter, Folter unter der NATO jedoch ist gute Folter, folglich muss ein Tod im westlichen Einflussbereich auch ein guter Tod sein. Als während des zweiten Weltkrieges massenhaft Juden ermordet wurden in Deutschland, da hatten die Medien der so genannten freien Welt-Presse auch geschwiegen. Es ist doch erstaunlich, wie sich die Wendehälse der Medienkonzerne immer wieder aus der Verantwortung herauswinden können. Bitte bitte lieber Gott, mach dass diese schweigenden Medienhuren ihre verdiente Strafe erhalten, vorzugsweise mit verbundenen Händen. Schade, dass ich kein Zeitungsabo habe, sonst würde ich es nun wieder einmal kündigen. Viele Mitglieder der fetten und selbstgefälligen westlichen Bourgeoisie haben überhaupt kein Interesse an der Wahrheit, sondern wollen stets nur ihr verlogenes kleines Weltbild durch die Konzernpresse bestätigt sehen, damit sie auch ja kein schlechtes Gewissen haben müssen. Unsere Gesellschaft scheint nun endgültig den unumkehrbaren Weg der totalen Dekadenz und des moralischen Sittenverfalls eingeschlagen zu haben. Dieser globale Niedergang der Gewissenhaftigkeit und des verantwortungsvollen Handels wirft einen tragischen Schatten auf unser aller Zukunft. Jede böse Tat, jede Unterlassungssünde, jede Heuchelei, jede Selbstlüge wird unausweichliche Konsequenzen für unsere Zukunft haben. Aber das haben diese Narren der selbstgefälligen westlichen Dekadenz noch nicht einmal angefangen zu begreifen. Möge der Westen das erleiden, was er anderen auch angetan hat. So lautet das unausweichliche Gesetz des kosmischen Karma.

    Kommentar von Nathan — September 19, 2011 @ 10:09 vormittags

    • Wobei selbst Folter unter Gaddafi in dem Moment noch gute Folter war als man nicht gegen ihn Krieg führte. Immerhin waren es die USA und auch Großbritannien, welche Gaddafi jahrelang Informationen über libysche Oppositionelle zuspielten, die Menschen an ihn ausliefertenund sich aktiv (gelegentlich sogar durch Präsenz), meistens durch EInreichen von Fragen und Erhalt der Antworten an den Folterverhören beteiligten. Die Rasantheit, mit der sie plötzlich der Welt verkaufen konnten, es gehe bei diesem Krieg um die Menschenrechte, ist erschreckend.

      Kommentar von Gleichklang.de — September 19, 2011 @ 10:24 vormittags

  3. [...] +++ Libyen: Welt schweigt zu ethnischen Säuberungen +++ [...]

    Pingback von AKtuelles – News und Links — September 26, 2011 @ 1:24 vormittags

  4. [...] Libyen: Die Welt schweigt zu ethnischen Säuberungen [...]

    Pingback von Tod von Moammar Gadhafi: Dienen Misshandlung und Exekution eines Wehrlosen unseren westlichen Werten? « Der Gleichklang-Polit-Blog — Oktober 22, 2011 @ 9:35 vormittags

  5. [...] warum dann nicht über die USA und Guantánamo? Oder über die Todesurteile in China oder die Säuberungen in Libyen? teilen mit:Gefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem diese(r) Artikel gefällt. Dieser Beitrag [...]

    Pingback von Die Ukraine oder der Fall Timoschenko | kopfwerk — Mai 7, 2012 @ 9:23 vormittags


RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Theme: Customized Silver is the New Black. Bloggen Sie auf WordPress.com.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 412 other followers